Publications
Zeitschrift für Geburtshilfe und NeonatologieJun 2023 DOI:
10.1055/s-0043-1769436

Therapierefraktäre zerebrale Anfälle bei einem Neugeborenen aufgrund einer D-bifunktionellen Protein-Defizienz (Pseudo-Zellweger-Syndrom) - Fallbericht

Müller, Stephan; Köpke, Stefanie; Anbar, Bechir; Dayo, Christina; Sofeso, Christina; Ahren, Pia; Gebhardt, Boris; Buxmann, Horst
Product Used
Genes
Abstract
Das männliche Reifgeborene einer 1. Gravida bot nach Sectio bei pathologischem CTG eine gute Primäradaptation (APGAR 9/10/10). Er war hypotroph (Gewicht 2630g P3) und makrozephal (KU 38cm P98), bei normaler Länge (51cm P25). Auffällig war seine muskuläre Hypotonie, Retrognathie und Hypertelorismus, sowie seine fokalen zerebralen Anfälle: rhythmische undurchbrechbare Kloni der linken Extremitäten, der Augen und des Mundes mit kurzer Lippenzyanose. Die ersten Laboranalysen waren unauffällig (u.a. BGA, Blutbild, CRP, Ammoniak). EEGs (klassisch und amplitudenintegriert) waren pathologisch. Die intravenöse Gabe von Phenobarbital führte passager zur Anfallsfreiheit. Im Verlauf der ersten [3] Lebensmonate zeigte sich eine Veränderung der Anfallssemiologie, u.a. mit Apnoen und diese ging mit [4] Monaten in ein West Syndrom mit infantilen Spasmen und Hypsarrhythmie im EEG über. Zudem zeigte sich kein langfristiges Ansprechen auf Pyridoxin, Phenobarbital, Levetiracetam, Lacosamid und Valproat. Mit Nachweis der Hypsarrhythmie wurde um Vigabatrin und Methylprednisolon Pulse erweitert. Die Mutter beschrieb bereits intrauterine, krampfähnliche Bewegungen des Fetus. Die Schädelsonographie ergab den Verdacht einer älteren subependymalen Blutung. Eine cMRT zeigte eine perisylvische Polymikrogyrie, periventrikuläre Zysten und eine Thrombose des Sinus transversus rechts, die unter Enoxaparin rückläufig war. Im Trio Exom wurde eine homozygote pathogene HSD17B4 Variante (c.1516C>T p.(Arg506Cys)) (ACMG class 5) identifiziert und die assoziierte D-bifunktionelle Protein-Defizienz diagnostiziert. Die Störung der peroxisomalen Beta-Oxidation wurde biochemisch mit pathologisch veränderten überlangkettigen Fettsäuren bestätigt. Assoziiert fand sich eine primäre Nebenniereninsuffizienz. Beide Eltern, fünftgradig konsanguin, sind Anlageträger. Historisch wurde diese Erkrankung Pseudo-Zellweger-Syndrom genannt.3
Product Used
Genes

Related Publications